Alain Mimoun

Alain Mimoun (2001)

Alain Mimoun (* 1. Januar 1921 in El Telagh, Französisch-Nordafrika, als Ali Mimoun Ould Kacha[1]; † 27. Juni 2013 in Saint-Mandé, Île-de-France[2]) war ein französischer Langstreckenläufer algerischer Herkunft und Olympiasieger im Marathonlauf.

Werdegang

Er wuchs als Hirtensohn in einem algerischen Berberdorf auf. Als er 1939 in die französische Kolonialarmee eintrat, gab er sich den Vornamen Alain. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er erst in Belgien mit dem 6e régiment de tirailleurs algériens und später in Italien, wo er nach einer Verletzung durch eine Granate nur knapp einer Beinamputation entging.

Nach Kriegsende wurde er Kellner im Café des Racing Club de France, wo seine läuferische Karriere ihren Ausgang nahm. Er wurde achtmal französischer Meister über 5000 Meter und zwölfmal über 10.000 Meter.[3] Bei den Europameisterschaften 1950 in Brüssel gewann er jeweils hinter Emil Zátopek die Silbermedaille über 5000 und 10.000 Meter.

Bei den Olympischen Spielen blieb ihm ein Sieg aber zunächst verwehrt. Dreimal, über 10.000 Meter bei den Spielen 1948 in London und über 5000 und 10.000 Meter bei den Spielen 1952, musste sich Mimoun mit der Silbermedaille hinter seinem schärfsten Rivalen, dem Tschechen Emil Zátopek, zufriedengeben. Trotz der sportlichen Rivalität waren Zátopek und Mimoun enge Freunde. Zum letzten Mal traten beide zum Ende ihrer sportlichen Laufbahn im Marathonwettbewerb der Olympischen Spiele 1956 in Melbourne gegeneinander an.

Das Rennen fand an einem sehr heißen Tag statt, was Zátopek, ohnehin gehandicapt durch Verletzungen, zu schaffen machte, während Mimoun, der seinen allerersten Marathon lief, sich bei den Temperaturen über 30 °C wohlzufühlen schien und sich bei Kilometer 25 vom Rest des Feldes absetzte. Nach 2:25:00 h überquerte Mimoun als Erster die Ziellinie. Dort wartete er auf seinen Freund Emil Zátopek, der als Sechster ins Ziel kam, vollständig ausgelaugt durch die extreme Hitze. Mimoun fragte Zátopek: „Emil, gratulierst Du mir nicht? Ich bin der Olympiasieger.“ Daraufhin umarmten sich Mimoun und Zátopek. Später nannte Mimoun diesen Moment wertvoller als seine Goldmedaille.

Nach diesem Sieg setzte Mimoun seine Karriere fort. Mit knapp 40 Jahren war er noch einmal im französischen Team für die Olympischen Spiele 1960 in Rom. 1966 wurde Mimoun zum sechsten Mal französischer Meister im Marathon. Im selben Jahr lief er die 10.000 Meter in 30:16.8 min – bis heute die weltweit drittschnellste Zeit in der Altersklasse M 45.[4]

Mimoun wurde zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt und zum „französischen Leichtathleten des Jahrhunderts“ gewählt. Über 50 Sportstätten wurden in Frankreich nach ihm benannt. 1949 und 1956 wurde er von der Sportzeitung L’Équipe zu Frankreichs Sportler des Jahres („Champion des champions“) gewählt. 1999 folgte die Auszeichnung zu Frankreichs Leichtathlet des Jahrhunderts.[5]

Auszeichnungen

  • Ritter (1956), Offizier (1972), Kommandeur (1999) sowie Großoffizier (2008) der Ehrenlegion
  • Kommandeur des Ordens für Verdienste um das Sportwesen
  • Ritter des Ordre national du Mérite
  • Benennung eines Asteroiden nach ihm 2017: (41213) Mimoun

Weblinks

Commons: Alain Mimoun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Biographischer Artikel zum 80. Geburtstag aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Artikel über den Olympia-Marathon 1956 auf marathoninfo.free.fr (französisch)
  • Ausführliches Interview mit Alain Mimoun (französisch) im Journal de la Haute Marne (2002)
  • Alain Mimoun in der Datenbank von Olympedia.org (englisch)

Einzelnachweise

  1. http://www.lematin.ch/sports/depeches/athletisme--alain-mimoun-decede-92-ans-bref-encadre/story/31883866
  2. Mimoun, un champion français (Nachruf; franz.)
  3. http://www.arrs.run/NatChamp.htm
  4. http://www.arrs.run/Veterans/VR2_O10K.htm
  5. vgl. Alain Mimoun. In: Internationales Sportarchiv 39/2010 vom 28. September 2010 (aufgerufen via Munzinger Online)
Olympiasieger im Marathonlauf

1896: Königreich Griechenland Spyridon Louis | 1900: Dritte Französische Republik Michel Théato | 1904: Vereinigte Staaten 46 Thomas Hicks | Zwischenspiele 1906: Kanada 1868 Billy Sherring | 1908: Vereinigte Staaten 48 John Hayes | 1912: Vereinigtes Konigreich 1801 Ken McArthur | 1920: Finnland Hannes Kolehmainen | 1924: Finnland Albin Stenroos | 1928: Dritte Französische Republik Boughera El-Ouafi | 1932: Argentinien Juan Carlos Zabala | 1936: Japan 1870Japan Son Kitei | 1948: Argentinien Delfo Cabrera | 1952: Tschechoslowakei Emil Zátopek | 1956: Frankreich 1946 Alain Mimoun | 1960: Athiopien 1941 Abebe Bikila | 1964: Athiopien 1941 Abebe Bikila | 1968: Athiopien 1941 Mamo Wolde | 1972: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Frank Shorter | 1976: Deutschland Demokratische Republik 1949 Waldemar Cierpinski | 1980: Deutschland Demokratische Republik 1949 Waldemar Cierpinski | 1984: Portugal Carlos Lopes | 1988: Italien Gelindo Bordin | 1992: Korea Sud 1949 Hwang Young-cho | 1996: Sudafrika Josia Thugwane | 2000: Athiopien 1996 Gezahegne Abera | 2004: Italien Stefano Baldini | 2008: Kenia Samuel Kamau Wanjiru | 2012: Uganda Stephen Kiprotich | 2016: Kenia Eliud Kipchoge | 2020: Kenia Eliud Kipchoge

Liste der Olympiasieger in der Leichtathletik

Normdaten (Person): LCCN: nb2012023864 | VIAF: 198717164 | Wikipedia-Personensuche | Kein GND-Personendatensatz. Letzte Überprüfung: 17. Juli 2018.
Personendaten
NAME Mimoun, Alain
ALTERNATIVNAMEN Mimoun Ouid Kacha; Mimoun O’Kach, Alain
KURZBESCHREIBUNG französischer Leichtathlet
GEBURTSDATUM 1. Januar 1921
GEBURTSORT El Telagh
STERBEDATUM 27. Juni 2013
STERBEORT Saint-Mandé